Wer übernimmt die Zahnarztkosten im Ausland?

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Zahnarztkosten im Ausland fallen oft geringer aus, als es in der eigenen Heimat der Fall ist. Nicht zuletzt deshalb fahren viele Menschen nach Osteuropa, um dort ihre zahnärztlichen Behandlungen durchführen zu lassen.

Dieser Ratgeber soll Aufschluss darüber geben, wer letztendlich die Zahnarztkosten in einem fremden Land übernimmt. Zudem werden wichtige Tipps zur passenden Ärztesuche gegeben.

Die Kostenübernahme von Auslandsbehandlungen – was wird übernommen?

  • Ungarn, Polen und Tschechien sind die häufigsten Reiseziele für Menschen, die eine günstige Zahnbehandlung durchführen lassen wollen.
  • Zurück in der Heimat stellt sich dann natürlich die Frage, ob die Kosten von der eigenen Krankenversicherung übernommen werden. Die Höhe und der Umfang der Rückerstattung orientieren sich an den im Inland anfallenden Kosten.
  • Bei genehmigungspflichtigen Eingriffen, wie einem Zahnersatz, muss im Voraus ein Heil- und Kostenplan vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage wird der Festzuschuss seitens der Krankenversicherung berechnet.

Prinzipiell müssen alle Kosten erstattet werden, die auch im Inland übernommen werden würden. Was genau dazu gehört, wird aus dem individuellen Versicherungsvertrag entnommen. Zahnmedizinischen Notfälle während des Urlaubs oder Sabbaticals müssen immer von der Versicherung übernommen werden.

Sollte eine Operation notwendig sein, kann auf eine Rückführung nach Deutschland bestanden werden. In einem solchen Fall greift die Auslandsreisekrankenversicherung.

Wichtig: Vor einem Eingriff die Möglichkeiten der Kosten-Übernahme klären! –  Stockfoto-ID: 298903093
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Info: Durch Verwaltungskosten, Zuzahlungen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen kann die Krankenkasse entsprechende Abschläge vom Erstattungsbetrag vornehmen.

Sollte es zu Behandlungsfehlern kommen, besteht ein Anrecht auf Schadensersatz nach der Rechtsprechung des Behandlungsortes. Das ist ein großer Nachteil, denn in anderen Ländern – besonders in Osteuropa – sind die Gesetze oft zulasten des Patienten formuliert.

Örtliches Recht gilt bei Nachbesserungen im Heimatland. Dabei ist zu beachten, dass vor allem bei Mängeln des Zahnersatzes eine Begutachtung der Krankenkasse stattfinden muss.

Was muss der Patient bezahlen?

Im Ausland zahlt jeder Mensch als privat versichert und muss damit alle Gebühren bezahlen, die ausschließlich Privatpatienten in Rechnung gestellt werden würden.

Diese können natürlich nicht von allen Krankenversicherungen rückerstattet werden. Darunter fallen neben speziellen Behandlungsmethoden, auch Übernachtungskosten, Aufwendungen für die Anfahrt oder eine Reise zur Nachkontrolle beziehungsweise Korrekturen.

Eine genaue Kalkulation aller Kosten sollte im Voraus durchgeführt werden, um die Ersparnisse im Vergleich zu inländischen Behandlungen ersehen zu können.

Wie funktioniert die Kostenübernahmen von Zahnarztbehandlungen?

Wie das Verfahren der Kostenübernahme abläuft, hängt von der Krankenversicherung ab. Im Allgemeinen gelten folgende Regelungen:

Gesetzlich versicherte Patienten

Nach Paragraf 13 SGB V hat jeder, der über eine gesetzliche Krankenkasse versichert ist, einen Anspruch auf freie Ärztewahl innerhalb der EU. Zahnmedizinische Behandlungen in einem nicht EU-Land sind nur im Notfall ratsam. Hierfür ist eine Auslandsreisekrankenversicherung notwendig.

Die Bundesärztekammer weist darauf hin, dass die Rechnung gemäß dem Kostenerstattungsprinzip direkt beim behandelnden Zahnarzt im Ausland beglichen werden muss. Anschließend kann eine Rückerstattung durch die Krankenkasse erfolgen.

Bei einer stationären Behandlung muss eine vorherige Genehmigung eingeholt werden, um sicherzustellen, dass die anfallenden Kosten auch wirklich übernommen werden. Gleiches gilt für die Versorgung mit Produkten des Zahnersatzes. Für diese Kostenaufstellung ist das von der entsprechenden Versicherungsgesellschaft bereitgestellte Formular des Heil- und Kostenplans zu verwenden.

Privat versicherte Patienten

  • Privat versicherte Personen haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Übernahme der Kosten.
  • Vielmehr entscheiden hier die im Versicherungsvertrag geregelten Vereinbarungen. Aus diesem Grund ist eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Versicherungsgesellschaft ein absolutes Muss, um Leistungsansprüche zu besprechen.

Wissenswert: Sowohl für Privat- als auch Kassenpatienten können Zusatzversicherungen die Übernahme von Zahnersatz-Kosten gewährleisten. Weitere Kostenerstattungen, die von normalen Versicherungsgesellschaften nicht übernommen werden, sind ebenfalls Vertragsbestandteile solcher Zusatzvereinbarungen, z.B. das Einsetzen von Implantaten.

Was sollte bei der Ärztewahl im Ausland beachtet werden?

Wer im Urlaub einen Doktor aufsucht, der verlässt sich oft auf die Tipps von Einheimischen und lässt sich von billigen Angeboten verlocken. Doch meist verstecken sich dahinter unseriöse Anbieter. Um eine minderwertige Behandlung zu vermeiden, sollte auf folgende Punkte geachtet werden:

Der Arzt selbst führt ein Beratungsgespräch durch und kann die folgenden Behandlungsschritte verständlich erklären. Diese Erstuntersuchung sollte in einer gut verständlichen Sprache (Deutsch oder Englisch) durchgeführt werden.

Es wird ein ausführlicher Behandlungsplan ausgehändigt, welcher auch Folgetermine beinhaltet.Auf Haftungsansprüche, Garantieregelungen und auch Risiken der Behandlung wird hingewiesen.

Meist sind die Zahnarztkosten im Ausland deutlich günstiger. Möglich ist das zum einen durch die geringeren Lohn- und Materialkosten. Zum anderen spielt aber auch die Ausbildung und damit die fachliche Kompetenz eine Rolle. Nur zu häufig werden im Zuge notwendiger Behandlungen auch gesunde Zähne therapiert.

Gesetzlich ist lediglich die Kostenübernahme innerhalb der Europäischen Union vorgeschrieben. Bei einem längeren Aufenthalt in einem Nicht-EU-Land sollte deshalb eine private Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Eine örtliche Krankenversicherung im Zielland kann ebenfalls eine gute Alternative sein. Diese sind meist mit den privaten Gesellschaften in Deutschland zu vergleichen und können gewisse Zahnarztbehandlungen ausschließen.

Worauf kommt es bei der Wahl einer ausländischen Zahnarztbehandlung an?

Soll die Zahnarztbehandlung trotz des hohen Risikos im Ausland stattfinden, ist bei der Wahl der Praxis auf einige Aspekte zu achten. Diese werden von Stiftung Warentest sowie von verschiedenen Experten der Gesundheitsbranche empfohlen:

Eine vorherige Untersuchung durch einen inländischen Zahnarzt sollte immer stattfinden. Dieser kann eine Einschätzung zu den tatsächlich notwendigen Behandlungen vornehmen. Die ausländische Behandlung sollte dann auf Basis des inländischen Befundes stattfinden.

  • Ein Kostenvoranschlag des ausländischen Arztes muss in schriftlicher Form ausgehändigt werden, um diesen der Krankenversicherung vorzulegen. Dabei sind auch die Nebenkosten (Anfahrt, Hotel, etc.) zu berücksichtigen.
  • Garantieansprüche sollten angelehnt ans deutsche bzw österreichische Recht mit dem behandelnden Zahnarzt ausgehandelt werden. Diese sind schriftlich festzuhalten und von einem Anwalt überprüfen zu lassen.

Immer wieder werden Komplettpakete bestehend aus Reise und Zahnbehandlung angeboten. Dahinter steht meist eine Reisefirma, die ein kommerzielles Interesse an möglichst aufwendigen Behandlungen hat. Eine Therapie von eigentlich gesunden Zähnen ist häufig die Folge.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.