Private Haftpflicht­versicherung für Österreich

Die Haftpflichtversicherung stellt sicher, dass ein Geschädigter den ihm zustehenden Schadensersatz erhält. Sie stellt aber auch sicher, dass der Schädiger dadurch nicht wirtschaftlich ruiniert wird. Der Anspruch auf Schadensersatz ist in Paragraf 1295, Abs. 1 des ABGB klar geregelt:

„Jedermann ist berechtigt, von dem Beschädiger den Ersatz des Schadens, welchen dieser ihm aus Verschulden zugefügt hat, zu fordern; …“

Die private Haftpflichtversicherung ist, im Gegensatz zur Kfz-Haftpflichtversicherung und in einigen Bundesländern der Hundehaftpflichtversicherung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Warum eine solche Police aber in jeden Haushalt gehört, werden wir hier erläutern.

Was ist eine Haftpflichtversicherung?

Die Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die eine Person einer anderen selbst oder deren Eigentum zufügt. Im ersten Schritt prüft die Haftpflichtversicherung, ob die Schadensersatzforderung berechtigt ist. Damit übernimmt sie die Aufgabe einer passiven Rechtsschutzversicherung. Kommt es zu einer juristischen Klage in Bezug auf die Rechtmäßigkeit der Forderung, übernimmt sie auch die Gerichtskosten.

Zeigt sich die Forderung als begründet, reguliert die Haftpflichtversicherung den entstandenen Schaden.

Die private Haftpflichtversicherung übernimmt folgende Schadensarten:

  • Personenschäden
  • Sachschäden
  • Vermögensschäden

Unter Vermögensschäden fallen finanzielle Benachteiligungen des Geschädigten, die aus einem Personen- oder Sachschaden resultieren.
Die Versicherer unterscheiden bei der Tarifierung zwischen einer Basisabdeckung und einem weiter gefassten Schutz der Haftpflichtversicherung.

Wer braucht eine Haftpflichtversicherung?

Die wenigsten Menschen wachen morgens mit der Überlegung auf, im Laufe des Tages einen Schaden zu verursachen. Gemeinhin treten Schäden unvermittelt und unbeabsichtigt auf. Ein Missgeschick kann jedem passieren.

Ein Versicherungsnehmer ist bei Nachbarn eingeladen, und verschüttet Rotwein auf dem hellen Teppichboden. Die Reinigung ist aufwendig, wird aber von der Haftpflichtversicherung bezahlt.
Ein Skifahrer kann an der Liftschlange nicht sauber bremsen, und reißt zwei weitere Skifahrer um. Der Fall von Michael Schumacher hat gezeigt, welche fatalen Folgen ein auf den ersten Blick harmloser Sturz haben kann.

Einer der beiden umgerissenen Skifahrer verletzt sich so schwer, dass er den Rest seines Lebens nicht mehr arbeiten kann. Auf den Schadenverursacher kommen folgende Kosten zu:

  • Bergungskosten
  • Kosten für die medizinische Behandlung.
  • Reha-Kosten
  • Schmerzensgeld
  • Möglicherweise eine lebenslange Rente an den Geschädigten.

Alle involvierten Parteien, Bergwacht, Krankenkasse etc. werden ihre Kosten als Regress geltend machen.

Das Kind spielt bei den Großeltern in der Wohnung und wirft dabei den LCD-Fernseher vom Fernsehtisch. Auch in diesem Fall besteht Versicherungsschutz.

Kurz und gut, wer nicht noch bei den Eltern in der privaten Haftpflicht mitversichert ist oder bereits eine Haushaltsversicherung besitzt, sollte sich selbst um diesen Schutz der eigenen Existenz kümmern. Die private Haftpflichtversicherung ist auch als alleine stehende Lösung erhältlich.

Die Stiftung Warentest, das recht versicherungskritische Verbrauchermagazin aus Deutschland : „Eine private Haftpflichtversicherung (PHV) braucht jeder: Die Privathaftpflicht ist die wichtigste freiwillige Police überhaupt. Ohne eine Privathaftpflichtversicherung kann eine Unachtsamkeit im Alltag den finanziellen Ruin bedeuten.“

Welche Schäden sind nicht versichert?

Die private Haftpflichtversicherung kommt in der Basisabsicherung nicht für Schäden auf, die

  • Durch unmittelbare oder mittelbare Nutzung eines Kfz entstehen.
  • Aus der Ausübung einer Gefälligkeitshandlung resultieren.
  • Durch Hunde oder Pferde verursacht wurden.
  • Berufliche Haftpflichtfälle.
  • Vorsätzlich herbeigeführte Schäden.
  • Schäden als Grundstückseigentümer oder Bauherr.

Gefälligkeitshandlungen können im erweiterten Schutz mitversichert werden.

Wer ist mitversichert?

Die Gesellschaften unterscheiden bei der Tarifierung zwischen Singles und Familien. Der Begriff „Familie“ umfasst dabei Singles mit Kindern, Paare ohne und Paare mit Kindern. Haushaltshilfen fallen ebenfalls unter den Versicherungsschutz. Kinder sind bis zu dem 25. Lebensjahr mitversichert, sofern sie im selben Haushalt leben und über kein eigenes Einkommen verfügen.

In welchen Ländern gilt die Absicherung?

Die Geltung orientiert sich an der Tarifoption. Basistarife gelten europaweit, Policen mit verbessertem Schutz bieten weltweite Deckung.

Welche Versicherungssumme?

Die Versicherungssumme kann nicht hoch genug sein. Personenschäden können schnell Schadensersatzforderungen von 500.000 Euro und mehr bedeuten. Der Vertrag sollte mindestens über drei Millionen Euro, besser aber über zehn Millionen Euro lauten.

Erweiterte Einschlüsse

Die Basisabdeckung kann durch individuelle Erweiterungen ergänzt werden. Dazu zählen

  • Schäden im Haushalt von Verwandten
  • Schäden in gemieteten Räumlichkeiten auf Reisen
  • Tätigkeitsschäden

Schäden im Haushalt von Verwandten

Zunächst gilt einmal, dass Schäden, die nahen Verwandten zugefügt werden, also Schäden innerhalb der Familie, vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind. Als nahe Angehörige gelten

  • (Ehe)-Partner, Lebensgefährte,
  • Kinder, Enkelkinder
  • Eltern, Großeltern
  • Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Pflegeeltern, Pflegekinder

Im Rahmen einer individuellen Deckungserweiterung können Schäden bei Angehörigen jedoch mitversichert werden. Gerade wer kleine Kinder hat, sollte sich diese Option überlegen.

Schäden in gemieteten Räumlichkeiten auf Reisen

Zu den gemieteten Räumlichkeiten zählen nicht nur Ferienwohnungen oder Ferienhäuser. Hotelzimmer sind ebenso eingeschlossen. Allerdings bestehen hier zwei Einschränkungen.
Zum einen darf die Räumlichkeit nur für maximal einen Monat gemietet sein. Zum anderen beschränken sich versicherte Schäden auf fest mit der Räumlichkeit verbundene Gegenstände, beispielsweise das Waschbecken. Nicht unter den Versicherungsschutz fallen Vasen oder Stühle, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Tätigkeitsschäden

Dieser Begriff zielt auf die aktive Nutzung eines Gegenstandes ab. Der Versicherungsnehmer besucht einen Freund. Auf dem Wohnzimmer liegt die Digitalkamera des Gastgebers. Der Besucher zieht seine Jacke aus und wirft dabei die Kamera herunter. Sie ist kaputt. In der Basisabsicherung ist dieser Vorfall gedeckt.

Anders sieht es aber aus, wenn der Besucher die Kamera nimmt, in den Garten geht, um sie dort zu testen. Dabei fällt sie herunter und ist ebenfalls kaputt. Während die Basisabsicherung diesen Schaden nicht ersetzt, erstattet der Versicherer im Rahmen der Deckungserweiterung „Tätigkeitsschäden“ die gestellte Schadensersatzforderung.

Was kostet eine Privathaftpflicht?

Zunächst haben zwei Faktoren Auswirkungen auf den Beitrag:

  • Ist nur eine Person versichert oder handelt es sich um eine Familienpolice? Die rechnerische Wahrscheinlichkeit in Bezug auf die Schadenshäufigkeit fällt bei einem Single geringer aus.
  • Wünscht der Versicherungsnehmer nur den Basisschutz oder auch Deckungserweiterungen?

Einen weiteren Faktor bei der Prämienermittlung stellt die Laufzeit dar. Handelt es sich um mehrjährige Verträge, gewähren die Versicherer einen Beitragsnachlass. Hier gilt aber, dass eine Haftpflichtversicherung mit einer Laufzeit von mehr als drei Jahren zum Ende des dritten Versicherungsjahres kündbar ist.

Allerdings werden dann die entsprechenden Rabatte zurückgefordert.
Eine Familienpolice mit einer Versicherungssumme von zehn Millione Euro und vollständiger Deckungserweiterung ist schon für unter 100 Euro im Jahr erhältlich.

Bestehende Privathaftpflicht kündigen – wie geht das?

Ein Versicherungsnehmer hat im Haftpflichtvergleich festgestellt, dass er für weniger Geld einen besseren Versicherungsschutz erhält. Die Handlungsempfehlung liegt auf der Hand. Der bestehende Vertrag soll aufgelöst und ein neuer abgeschlossen werden.

Zunächst einmal muss die Kündigung schriftlich erfolgen. Dies bedarf aber keines Einschreibens mehr. Eine E-Mail oder die Nutzung des Kontaktformulars auf der Homepage des Versicherers ist völlig ausreichend. Allerdings sollte der Versicherungsnehmer über den Nachweis verfügen, dass die Nachricht auch gesendet wurde.
Wichtig ist, dass die Kündigung zum Ende des Versicherungsjahres unter Einhaltung der Kündigungsfrist erfolgt. Diese findet sich in der Police.

Es gibt allerdings eine Ausnahme für die sofortige Kündigung, den Schadensfall. Die Haftpflichtversicherung ist rechtlich gesehen auf das einmalige Ereignis einer Regulierung ausgelegt. Ist diese erfolgt, können sowohl Versicherer als auch Versicherungsnehmer den Vertrag sofort kündigen. Die übliche Fortführung geschieht unter dem Vorbehalt des gegenseitigen Einverständnisses.

Haftpflichtversicherung abschließen – worauf achten?

Fassen wir an dieser Stelle noch einmal zusammen. Wichtig ist eine möglichst hohe Versicherungssumme. Wer viel reist, sollte Mietsachschäden an gemieteten Räumlichkeiten einschließen. Wer nie verreist, kann auf diesen Einschluss verzichten. Die Berücksichtigung von Tätigkeitsschäden kann nie verkehrt sein. Schäden im Haushalt von Verwandten unter dem Aspekt der Tätigkeitsschäden ebenfalls nicht. Gerade wer kleine Kinder hat und diese öfter von den Großeltern beaufsichtigt werden, sollte die Verwandtenklausel mit einbeziehen.

Was tun bei einem Haftpflichtschaden?

Zunächst einmal muss der Schaden umfänglich dokumentiert und der Versicherung so schnell wie möglich gemeldet werden. Je nach Schadensumfang kann es sein, dass ein Gutachter hinzugezogen wird. Der Schadensverursacher darf unter keinen Umständen ein schriftliches Schuldeingeständnis abgeben. Damit gefährdet er den Versicherungsschutz. Der Grund dafür liegt darin, dass die Versicherung zuerst klärt, ob den Verursacher tatsächlich ein Verschulden trifft. Räumt er dies von sich aus ein, untergräbt er den Sachverhalt der passiven Rechtsschutzversicherung und damit den Versicherungsschutz.

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