Pflegeversicherung in Österreich

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Die Menschen werden heute immer älter. Dies ist auch gut so; allerdings steigen mit dem Alter die Risiken, irgendwann einmal pflegebedürftig zu werden. Um sich hier abzusichern, hilft grundsätzlich nur eine Pflegeversicherung weiter.

Der Begriff der Pflegeversicherung

Bei der Pflegeversicherung handelt es sich um eine sog. Vorsorgeversicherung. Ziel dieser Vorsorgeversicherung ist es, dass der Versicherer den Versicherungsnehmer kostenmäßig gegen die etwaig entstehenden Risiken bei Eintritt eines Pflegefalles absichert.

Picture of smiling nurse assisting senior man
Pflege

Tritt nämlich ein Pflegefall ein, so besteht hinsichtlich der mit dem Pflegefall für den Versicherer einhergehenden Kosten ein teilweiser oder auch vollständiger Deckungsschutz.

Der Versicherer übernimmt also bei Eintritt des Versicherungsfalls zumindest einen Teil der pflegebedingten Kosten. Neben einer Übernahme der Kosten können zusätzlich noch bestimmte Sachleistungen übernommen werden. Wichtig zu wissen ist, dass es grundsätzlich zwei Arten von Pflegeversicherungen gibt, nämlich die gesetzliche als auch die private Pflegeversicherung.

Die gesetzliche Pflegeversicherung

Rechtsgrundlage für die gesetzliche Pflegeversicherung ist das Bundespflegegeldgesetz (BPGG). Tritt der Fall einer Pflegebedürftigkeit ein, regelt dieses Gesetz die Voraussetzungen für die Gewährung eines Pflegegeldes in einer bestimmten Höhe.

Es muss hiernach eine Pflege erforderlich sein in Folge einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung, diese muss länger als sechs Monat andauern, und zwar bei einem monatlichen Zeitaufwand von über 65 Stunden.

Hierbei ist die Höhe des monatlich auszuzahlenden Pflegegeldes abhängig von der jeweiligen Stufe.

Die Staffelung nach den Pflegestufen sieht hierbei wie folgt aus:

  • Pflegegeld in Höhe von 157,30 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 65 Stunden im Monat(Stufe 1),
  • Pflegegeld in Höhe von 290,00 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 95 Stunden im Monat(Stufe 2),
  • Pflegegeld in Höhe von 451,80 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 120 Stunden im Monat(Stufe 3),
  • Pflegegeld in Höhe von 677,60 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 160 Stunden im Monat(Stufe 4),
  • Pflegegeld in Höhe von 920,30 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 180 Stunden im Monat nebst dem zusätzlichen Erfordernis der ständigen Bereitschaft einer Pflegeperson(Stufe 5),
  • Pflegegeld in Höhe von 1.285,20 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 180 Stunden im Monat bei einer nicht planbaren Betreuung oder dem Erfordernis einer ständigen Betreuung(Stufe 6),
  • Pflegegeld in Höhe von 1.688,90 Euro bei einem Pflegeaufwand von mehr als 180 Stunden im Monat und einer dauernden Bewegungsunfähigkeit(Stufe 7).

Auf die vorbezeichneten Leistungen besteht, soweit die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, natürlich ein Rechtsanspruch.

Die private Pflegeversicherung

Die Praxis hat leider gezeigt, dass die bei Eintritt eines Pflegefalles entstehenden Mehrkosten häufig durch die Gewährung des Pflegegeldes nach dem BPGG nicht gedeckt sind. Genau an dieser Stelle greift die private Pflegeversicherung ein. Eines ist hier gleich vorweg zu sagen: Je früher eine private Pflegeversicherung abgeschlossen wird, desto besser. Es gibt auf dem Markt nämlich Pflegeversicherungen, die ab einem bestimmten Alter der zu versichernden Person keinen Versicherungsvertrag mehr abschließen.

Die Grenze liegt hier regelmäßig zwischen 60 und 75 Jahren. Ist eine Pflegebedürftigkeit bereits eingetreten, erklärt sich regelmäßig auch keine Versicherungsgesellschaft mehr bereit, dieses Risiko zu versichern.

Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt sind die monatlich aufzubringenden Kosten für eine private Pflegeversicherung. Je geringer die Wahrscheinlichkeit des Eintritts des zu versichernden Risikos zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ist, desto geringer sind die monatlichen Prämien. So zahlt der jüngere Versicherungsnehmer daher von vorneherein geringere Versicherungsprämien. Auf jeden Fall sollten die Preise und die Leistungen der einzelnen Versicherungen vor einem etwaigen Vertragsabschluss verglichen werden.

Angebote der einzelnen Versicherungen

Denn auch die Modelle der einzelnen Versicherungen sind unterschiedlich. Es gibt nämlich private Pflegeversicherungen, die sich an die gesetzlichen 7 Pflegestufen orientieren und bereits ab der Stufe 1 monatliche Versicherungsleistungen gewähren. Andere wiederum erst ab dem Eintritt einer höheren Pflegestufe. In diesem Fall sind dann aber regelmäßig die monatlichen Prämien geringer. Letztendlich gibt es private Pflegeversicherungen, die ein anderes Modell favorisieren.

Das Stichwort lautet hier: „Activities of daily life“. Bei diesem Modell orientiert sich der Versicherer nicht an die gesetzlichen Pflegestufen, sondern an den Aktivitäten des täglichen Lebens, die für den einzelnen Versicherten von individuell hoher Bedeutung sind, und für die der Versicherte bei Eintritt des Pflegefalles eine Hilfe braucht.

Egal, für welches Modell man sich entscheidet, gewährleistet werden sollte auf jeden Fall eine Prämienbefreiung bei Eintritt einer dauerhaften Pflege. Die Versicherung sollte auch dann zahlen müssen, wenn der Versicherer stationär im Krankenhaus untergebracht ist. Anbieter von privaten Pflegeversicherungen sind beispielsweise die Wiener Städtische Versicherungen, die Generali oder die Wüstenrot Versicherung.

Fazit: Immer häufiger sind die Leistungen nach dem BPGG bei Eintritt eines Pflegefalles nicht ausreichend. Die Praxis hat daher gezeigt, dass es zu einer Absicherung oftmals noch des Abschlusses einer privaten Pflegeversicherung bedarf, die die staatlichen Leistungen ergänzt. Da die Konditionen dieser privaten Versicherungen recht unterschiedlich ausfallen, ist vor Abschluss einer solchen Versicherung auf jeden Fall eine sachkundige Beratung zu empfehlen.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.