Matura in Österreich – Wie kann ich die Matura nachholen? – Maturaschule – Abendschule & Abendgymnasium

Die Zeit, in der ein junger Mensch wesentliche Entscheidungen für seine Zukunft trifft, ist auch die Zeit, in der er sich oft noch nicht über alle Konsequenzen seiner Entscheidungen im Klaren ist.
Viele junge Menschen können es gar nicht erwarten, endlich die Schulzeit hinter sich zu lassen und schnell eigenes Geld zu verdienen.

Deshalb kann es vorkommen, dass der junge Schüler bzw. die junge Schülerin sich zunächst nicht für den Weg an eine weiterführende Schule mit dem Ziel, die Matura zu machen, entscheidet.

Ein paar Jahre später, bez. nach dem Ende der Realschule aber, und bei den Überlegungen, welchen beruflichen Weg man gern einschlagen möchte, könnte man diese ehemalige Entscheidung durchaus bereuen, denn ein Studium beispielsweise, ist ohne Matura meistens nicht möglich und auch viele gute Berufe sind heutzutage ohne Matura nicht zu erreichen.

Wie gut, dass es da möglich ist, eine frühere Entscheidung zu korrigieren und die Matura noch nachzuholen.

Stockfoto-ID: 304729954 Copyright: smolaw, Bigstockphoto.com
Wichtig: Entsprechend umfassend vorbereiten!
Stockfoto-ID: 304729954
Copyright: smolaw, Bigstockphoto.com

Was ist die Matura?

Die Matura ist der Abschluss der höherbildenden Schule. Als Prüfung nach dem 12. bzw. dem 13. Schuljahr ist sie gleichzeitig auch die Hochschulzugangsberechtigung.

Die Matura gibt es in Österreich, der Schweiz, in Südtirol, in Lichtenstein und einigen anderen Ländern, vorwiegend aus Mittel – und Südosteuropa.

In Deutschland wird die Reifeprüfung Abitur genannt und die Schuljahre, die zum Abitur führen, Abiturklassen bzw. gymnasiale Oberstufe. Das Abitur entspricht der österreichischen Matura und wird meist durch den Wechsel an ein Gymnasium eingeleitet. In einigen Schulen, z. B. an einer integrierten Gesamtschule, ist es dort aber auch möglich, seine Schulzeit bis zum Abitur fortzusetzen.

Schülerinnen und Schüler, die in Österreich, der Schweiz, in Südtirol etc. die höherbildende Schule besuchen, werden als Maturanden bezeichnet. Wenn sie diese weiterführenden Schulen erfolgreich abschließen, erhalten sie ihre Matura bzw. ihr Reifezeugnis.

Der Begriff Reifezeugnis ist die offizielle Bezeichnung für den Abschluss der höheren Schulbildung und gilt als Hochschulzugangsberechtigung, denn nur mit dem Erhalt der Matura bzw. des Abiturs, ist es bspw. in Österreich, der Schweiz oder in Deutschland möglich, ein Studium an einer Hoch- oder Fachhochschule bzw. an einer Universität aufzunehmen und sich als Studentin bzw. als Student einzuschreiben.

In Deutschland und in der Schweiz gibt es ein an die Berufsmatura angelehntes so genanntes Fachabitur.

Diese Abschlüsse berechtigen ausschließlich zum Besuch einer Fachhochschule. Fachabitur bzw. Berufsmatura sind im Übrigen die kürzesten Möglichkeiten, die Entscheidung, nach der Realschule eine Lehre zu beginnen, dahingehend revidieren, indem sich die Berufsschülerin bzw. der Berufsschüler darüber die Option offen hält, seiner erfolgreichen Lehre ein aufbauendes Studium anzuschließen.

Matura auf dem zweiten Bildungsweg

Manchmal kommt der Wunsch, die Matura zu machen und sich somit die Basis für ein Studium zu schaffen, erst später. Manchmal schafft eine Schülerin oder ein Schüler die Matura nicht beim ersten Mal. Wer jedoch den Willen hat, Versäumtes oder ggf. etwas, was noch nicht gelungen ist, noch einmal zu starten, der kann das meist auch später noch nachholen.

Selbstverständlich sollte die Bewerberin oder der Bewerber versuchen, die Zeit nicht zu weit hinauszuzögern, weil das eigentliche Ziel für das Erlangen der Matura ja ein Studium ist, das auch mehrere Jahre beansprucht.

Aber grundsätzlich gilt: Wer sich in Österreich erst etwas später dazu entschlossen hat, seine Hochschulzugangsberechtigung nachzuholen, kann das – genau wie in der Schweiz oder in Deutschland – auf dem zweiten Bildungsweg, der so genannten Erwachsenenbildung tun.

Diese Möglichkeit erhalten die Schülerin oder der Schüler nach dem Abschluss ihrer Lehre nach den berufsbildenden Schulen, d. h., die Matura kann dann mit der so genannten Berufsreifeprüfung, der BRP, nachgeholt werden.

Darüber hinaus gibt es Abendgymnasien, die AHS oder Schulen für Berufstätige, die HTL oder die Matura an Fernschulen, z. B. „Humboldt“, sowie die Matura an privaten Schulen oder an Volkshochschulen, der VHS, im Rahmen einer Externistinnenreifeprüfung.

Die österreichische Matura

Der üblichste und meist auch unkomplizierteste Weg, in Österreich die Matura zu machen, erfolgt – je nach Schulltyp – entweder nach dem 12. oder nach dem 13. Schuljahr.
Hat man diese gymnasiale Oberstufe erfolgreich bestanden, erhält man sein Hochschulzugangszeugnis, das zu einem Studium an einer Universität, einer Hochschule oder einer Fachhochschule berechtigt.

Die Matura – Prüfung wird in der Regel an der Schule abgenommen, an der man die gymnasiale Oberstufe belegt hat.

Da im Jahr 2015 die Zentral – Matura eingeführt wurde, werden die Matura – Prüfungen nunmehr vor einer offiziellen Kommission abgelegt – im Beisein des Lehrers des jeweiligen Faches.

Mit der Einführung der Zentral – Matura sollte gewährleistet werden, dass die geforderten und erbrachten Leistungen österreichweit gleichwertig sind, weil auf diesem Wege das Niveau standardisiert wurde.

Noch immer trifft es aber auch zu, dass sich Anforderungen und Leistung jenseits der Zentral – Matura unterscheiden können.

Die Möglichkeiten, die Matura nachzuholen

Vermutlich erscheint es zunächst reizvoll, die gewohnten Pfade in der Schule zu verlassen und eine Lehre zu beginnen, um auf diesem Wege schneller auf eigenen Füßen stehen zu können. Und das geht in der Regel nur über ein eigenes Einkommen.

Entsprechend entscheiden sich viele Jugendliche dafür, auf die Matura und ein meist nachfolgendes Studium zu verzichten und so den Weg bis zum ersten eigenen Geld zu verkürzen.

War dies jedoch das einzige Entscheidungskriterium und die Schülerin oder der Schüler hatte durchaus gute schulische Leistungen erbracht, die dem Anforderungsniveau einer Matura genügen, stellen viele Jugendliche dann fest, dass sie doch gern noch einmal die Schulbank drücken möchten, nicht zuletzt, um über einen höheren Schulabschluss ein Studium beginnen zu können und so einen noch interessanteren oder lukrativeren Beruf zu ergreifen, der ohne die Matura nicht möglich wäre.

Auch bei einer beruflichen Umorientierung bietet sich das Nachholen der Matura an.
Mit der Ablegen beispielsweise der Berufsreifeprüfung – bereits während der Lehre oder nach dem erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung, erhöhen die Maturanden ihre Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt, können einen anderen Beruf als den bislang erlernten, studieren oder ermöglichen sich erleichterte Aufstiegschancen innerhalb ihres erlernten Berufes.

Voraussetzungen für das Nachholen der Matura in Österreich

Um die Matura in Österreich nachholen zu können, muss die Bewerberin oder der Bewerber seine reguläre Schule erfolgreich abgeschlossen haben. Zudem müssen sich die Aspiranten in einer Berufsausbildung befinden, diese Berufsbildung bereits abgeschlossen sein oder die Bewerber ggf. sogar die Meisterprüfung bestanden haben.

Um für die Berufsreifeprüfung zugelassen werden zu können, ist es eine Voraussetzung, einen erfolgreichen Berufsabschluss in seinem Lehrberuf erhalten zu haben – oder im Falle des Abbruches der Schule eine mindestens dreijährige Berufserfahrung vorweisen zu können.

Als Abschlüsse kommen z. B. Facharbeiterprüfungen in einem medizinisch – technischen Beruf, in einem medizinischen Fachdient, im Sanitätshilfsdient, im landwirtschaftlichen oder im forstwirtschaftlichen Bereich, im Bereich der Gesundheits – und der Krankenpflege, der Nachweis eines Beamtenberufes, das erfolgreiche Studieren an einem Konservatorium im Hauptstudiengang sowie der Nachweis des erfolgreichen Abschlusses einer Berufsschule in Frage.

In bestimmten Fällen ist es möglich, bereits erbrachte Leistungen aus den o.g. vorherigen Ausbildungsschritten auf die nun gewünschte Zulassung zur Berufsreifeprüfung, die Matura, anrechnen zu lassen.

Wie kann man sich für die nachträgliche Matura bewerben?

Um sich für die Matura anmelden zu können, müssen neben einem Begehrensschreibens die Geburtsurkunde, die jeweiligen bisherigen Qualifikationen und ggf. zusätzliche Leistungsnachweise, die u. U. auf die Matura angerechnet werden können, vorgelegt werden.

Wie kann man sich auf das Nachholen der Matura vorbereiten?

Gerade für Bewerber, deren Schulzeit einige Zeit zurück liegt, bietet es sich an, an Vorbereitungskursen teilzunehmen. Diese dauern in der Regel zw. zwei und zweieinhalb Jahren, also 4 bis 5 Semester und umfassen ca. 120 bis zu 160 Stunden Unterricht.

Zudem sind die Vorbereitungskurse – im Gegensatz zur eigentlichen Matura – nicht kostenfrei. Bewerberinnen und Bewerber müssen hier mit Kosten zw. 3000 und 4000 Euro für den Kurs rechnen. Diese Beträge schwanken je nach Anbieter bzw. Institut. Dennoch bieten sich diese Vorbereitungskurse als Investition in das erfolgreiche Ablegen der Matura – Prüfung an.

Zu den Anbietern dieser Vorbereitungskurse zählen z. B. die österreichischen Volkshochschulen, das Berufsförderungsinstitut, kurz bfi, oder das Wirtschaftsförderungsinstitut, kurz Wifi.

Was kann man tun, wenn noch kein Berufsabschluss vorliegt?

Die Schule abgebrochen und keine Lehre bestritten? Auch liegen noch keine mindestens drei Jahre Berufserfahrung vor?

Auch hier gibt es die Möglichkeit, eine ehemals getroffene Entscheidung noch in die gewünschte Richtung zu lenken.

Eine gute Möglichkeit, nach einem vorzeitigen Schulabbruch die Matura noch zu erreichen, ist die Abendmatura. Diese ist die längste Variante, die Hochschulzulassung zu erreichen, denn andere Voraussetzungen, die einen kürzeren Weg begünstigen würden, müssen hier nicht vorliegen.

Dafür ist diese Variante jedoch komplett kostenfrei und entspricht einer normalen Reifeprüfung, die es somit auch ermöglicht, sich völlig frei für das Studium der Wahl zu entscheiden und nicht eine der o. g. beruflichen Voraussetzungen mitbringen zu müssen, die dann in ein fachlich angelehntes Studium münden.

Voraussetzung für eine Bewerbung zur Abendmatura sind der erfolgreiche Abschluss des 8. Schuljahres der Mittelschule, das vollendete 17. Lebensjahr sowie entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung, drei Jahre Berufserfahrung oder die Meldung als arbeitssuchend beim Arbeitsmarktservice.

Für den Erhalt der Abendmatura werden 7 Prüfungsteile gefordert. Diese können wie folgt gewählt werden: 3 schriftliche Prüfungen und 4 mündliche Prüfungen oder umgekehrt, 4 schriftliche Prüfungen und 3 mündliche Prüfungen oder jeweils 3 schriftliche und drei mündliche Prüfungen plus eine Fachbereichsarbeit, die vor Beginn der anderen Prüfungsteile eingereicht werden muss.

Die Abendmatura wird für gewöhnlich an einem Abendgymnasium abgelegt. Für das Ablegen der gesamten Prüfungsteile können sich die Bewerberinnen und Bewerber lange Zeit nehmen. Es ist auch möglich, dass die einzelnen Prüfungsteile Monate oder Jahre auseinander liegen.

Damit wird gewährleistet, dass die Maturandin bzw. der Maturand in seinem persönlichen Rhythmus lernen kann und zusätzlich keine finanziellen oder zeitlichen Einschränkungen hinnehmen muss. Mitunter bietet es sich an, nebenberuflich die Lerninhalte besser zu verstehen.

Da die Abendmatura im Unterschied zur Berufsreifeprüfung zum Besuch eines Großteils an Unterrichtsfächern verpflichtet, muss mit einem zeitlichen Rahmen von ca. 4 Jahren gerechnet werden.

Alles in Allem ist das Nachholen der Matura aber auf jeden Fall ein lohnendes Ziel, wenn man beruflich weiter kommen möchte.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.