GmbH Gründung in Österreich – Dauer, Kosten, Voraussetzungen

Jeder hat schon mal in seinem Leben davon geträumt, sein eigener Chef zu sein und den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen. In Österreich gibt es verschiedene Firmenbezeichnungen, welche sich nach ihrer Struktur, Haftung und Kapitalvolumen unterscheiden.

Eine der meist verbreiteten Gesellschaftsformen bleibt die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Diese gehört zu den Kapitalgesellschaften und bietet einige Vorteile in der Form von Sicherheit für die Gesellschafter.

Vorteile der GmbH

Eine GmbH eignet sich für fast alle Geschäftsbereiche – von der Produktion, Handel und Dienstleistung bis hin zu den künstlerischen und freiberuflichen Tätigkeiten. Der größte Vorteil der GmbH ist die eingeschränkte Haftung der Gesellschafter, welche nur bis zur Höhe des Stammkapitals limitiert ist.

Im Vergleich zu den Einzelunternehmern, welche mit Ihrem Privatvermögen für Schulden ihrer Firma haften, besteht somit bei einer Gesellschaft mit eingeschränkter Haftung weniger finanzielles Risiko für die Gründer.

Falls mehrere Gesellschafter in der GmbH beteiligt sind, haften alle gleichermaßen für das Unternehmen und die Gewinne werden unter allen verteilt, sie sind aber trotzdem nicht so stark aneinandergebunden, wie in anderen Gesellschaftsformen.

Diese Gesellschaftsform eignet sich am besten für kleine und mittlere Unternehmen oder für einen ersten Versuch in die Selbstständigkeit. Durch die eingeschränkte Haftung hat sie bessere Erfolgschancen als ein Einzelunternehmen oder eine offene Gesellschaft. Bei mehreren Beteiligten in der Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist der Ausstieg einzelner Gesellschafter durch eine einfache Übertragbarkeit der Beteiligungen verhältnismäßig einfach gestaltet.

Tipp: Beraten lassen

Nachteile der GmbH

Trotz des erheblichen Vorteils eines geschützten Privatvermögens, hat eine GmbH auch einige Nachteile, die jeder Gründer in Betracht ziehen muss. Im Vergleich zur Gründung eines Einzelunternehmens stellt diese einen größeren finanziellen und zeitlichen Aufwand dar.

Die Kosten für die Gründung sind durch das Kapital und die Gebühren wesentlich höher und die Eintragung dauert länger als diese eines Kleinunternehmers.

Des Weiteren ist eine GmbH der doppelten Buchführung verpflichtet und die Gesellschafter müssen einmal im Jahr eine Bilanz beim Firmenbuch einreichen. Je nach Umsatzvolumen dürfen auch weitere Unterlagen und Nachweise zur Rechnungslegung verlangt werden und eine Abschlussprüfung veranlasst werden.

Wichtig: Vorab zur richtigen Buchhaltung informieren & beraten lassen!

Erforderliche Schritte für die Gründung

Gesellschaftervertrag / Errichtungserklärung

Jede juristische oder natürliche Person über 18 Jahre ist berechtigt eine GmbH zu gründen. Der erste Schritt für die Gründung ist der Gesellschaftervertrag. Dieser wird dann aufgesetzt, wenn mehrere Personen an der Gründung beteiligt sind. Mit ihm werden alle grundlegenden Informationen zur Gesellschaft, wie den Namen und den Firmensitz definiert und die Tätigkeit festgelegt.

Weiteres wird das Stammkapital bestimmt sowie die finanzielle Beteiligung jeder Gesellschafter und die jeweiligen Zuständigkeiten.

Bei der GmbH ist es möglich, dass alle Teilhaber gleichberechtigt sind, oder das einer davon die Geschäftsführung übernimmt und andere als seine Vertretung definiert werden. Zunächst werden die Häufigkeit und der Inhalt der Generalversammlungen festgelegt und vereinbart wie der Gewinn ausgezahlt oder weiterverwendet wird.

Alle erforderlichen Bestandteile der GmbH Satzung sind vom Gesetzgeber definiert und obligatorisch für die Gründung. Aufgrund der umfangreichen Informationen empfiehlt sich, einen Rechtsanwalt damit zu beauftragen.

Sollte die GmbH von einer Person gegründet werden, wird kein Gesellschaftervertrag, sondern eine Errichtungserklärung erforderlich. Mit dieser werden ähnlich wie oben aufgeführt die Stammdaten der Gesellschaft und ihre Tätigkeit definiert. Es entfällt lediglich die Satzung, welche die Geschäftsbeziehungen zwischen den Gesellschafter regelt.

Der Gesellschaftervertrag oder die Errichtungserklärung werden notariell beglaubigt. Im Zuge dessen wird der Gesellschafter über seine Rechte und Pflichten belehrt und eine Unterschriftenprobe entnommen und bestätigt.

Wichtig: Rechtzeitig zum Thema Stammkapital informieren und dieses ansparen/finanzieren!

Kapitaleinzahlung

Mit dem Gesellschaftervertrag, bzw. der Errichtungserklärung verpflichtet sich der Geschäftsführer ein bestimmtes Kapital zu gewährleisten. Die Einzahlung des im Vorfeld definierten Betrags kann sowohl bei einer Bank erfolgen, als auch bei einem Notar. Die Bestätigung wird anschließend für die Eintragung ins Firmenbuch benötigt.

Am Besten ist es, bei der Einzahlung eine Bank auszuwählen, bei der in weiterer Folge das Geschäftskonto geführt wird. Somit fließt das Kapital nach erfolgter Eintragung schnell und unkompliziert ins Geschäftskonto der neuen Gesellschaft.

Eintragung ins Firmenbuch

Der letzte Schritt ist die Anmeldung der zu gründenden Gesellschaft ins Firmenbuch. Für diese sind neben den bereits erwähnten Unterlagen auch eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und eventuell notwendige behördliche Bewilligungen zur Ausübung bestimmter Tätigkeiten einzureichen.

Es empfiehlt sich vor offizieller Beantragung, eine komplette Liste der erforderlichen Unterlagen einzuholen, damit die Eintragung möglichst schnell und unkompliziert erfolgt. Die Aufgabe des Firmenbuchs ist alle Dokumente auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu kontrollieren und im Fall von Unstimmigkeiten diese zur Verbesserung zurückzuschicken oder die Gründung gänzlich abzulehnen.

Dauer der Gründung

Die Gründung einer GmbH dauert verhältnismäßig länger als diese eines Einzelunternehmens, welches größtenteils in einem Tag angemeldet werden kann.

Reguläre GmbH Gründung

Das mehrstufige Verfahren inklusive alle oben aufgeführte Schritte dauert in etwa 25 Tage, bis die Firmenbucheintragung erfolgt ist. Je nach Bundesland und aktueller Auslastung der zuständigen Behörden können diese Fristen auch abweichen. Eventuelles Nachreichen weiterer Unterlagen wirkt sich ebenfalls auf die Dauer aus.

Vereinfachte Gründung

Mittlerweile ist die vereinfachte Gründung nach § 9a GmbHG ein gängiges Modell, welches mehrere Schritte zusammenfügt. Wichtig zu beachten ist, dass diese Gründungsmöglichkeit nur verfügbar ist, wenn eine einzige natürliche Person die Gesellschaft gründet.

Die Dauer der vereinfachten Gründung ist erheblich reduziert, indem ihr erster Schritt die Kontoeröffnung ist. Im Zuge dessen wird das erforderliche Kapital eingezahlt und die Bank übernimmt die Identifizierung der Gründer und die Bestätigung seiner Unterschriftmuster. Alle diese Unterlagen werden anschließend in elektronischer Form an die zuständige Behörde übermittelt.

Der zweite und gleichzeitig der letzte Schritt ist die Anmeldung bei dem Unternehmensserviceportal des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (USP). Die Registrierung hierzu erfolgt mit einer Handysignatur.

Im Portal wird die Errichtungserklärung ausgefüllt und vom Gründer bestätigt. Wichtig zu beachten ist, dass die online verfügbare Erklärung automatisch generiert wird. Sie wird nur aufgrund der vom Antragsteller gemachten Angaben zur Tätigkeit angepasst. Diese, sowie die Firmenbuchanmeldung lassen sich nicht ändern oder ergänzen. Somit ist eine vereinfachte Gründung nur bei der Annahme der bestimmten gesetzlich vorgegebenen Inhalte möglich.

Die ersten zwei Schritte erfolgen in weniger Tagen und werden elektronisch zur Entscheidung an das Firmenbuch übermittelt.

Kapital

Zur Gründung einer GmbH wird ein Stammkapital in Höhe von € 35.000,- erforderlich. Dieses, ggf. auf Wunsch ein höherer Betrag muss mindestens zur Hälfte in Bar eingezahlt werden.

Die andere Hälfte darf aus Sacheinlagen bestehen. In weiterer Folge wird der Wert der Sacheinlagen kalkuliert. Sollte dieser Wert nicht ausreichend sein, um eventuelle Schulden der Gesellschaft zu decken, wird ein Insolvenzverwalter eingeschaltet.

Gründungsprivilegierte GmbH

Wer seine eigene Firma gründen möchte, allerdings die Mindestanforderung zum Kapital nicht erfüllt, hat seit dem Jahr 2014 die Möglichkeit mit einem Mindestkapital in Höhe von € 10.000,- eine gründungsprivilegierte GmbH zu errichten.

Dieser Anspruch basiert auf dem § 10b GmbHG. Die Hälfte des erforderlichen Kapitals wird in diesem Fall in Bar eingezahlt, wobei die Sacheinlagen ausgeschlossen sind.

Das Gründungsprivileg wird für maximal 10 Jahre eingeräumt. Nach Ablauf dieser Frist muss der Gesellschafter sein Stammkapital auf den Mindestwert einer regulären GmbH aufstocken.

Vor Ablauf dieser Frist haftet die Gesellschaft mit den tatsächlich übernommenen Stammeinlagen. Diese Gründungsform muss bereits bei dem Gesellschaftervertrag, bzw. der Errichtungserklärung in Anspruch genommen sein. Eine nachträgliche Gewährung ist nicht mehr möglich. Für die Dauer ihres Privilegs müssen die Gesellschaften den Zusatz „gründungsprivilegiert“ ihrem Namen hinzufügen.

Kosten für die Gründung

Die Kosten für die Gründung richten sich nach der Gründungsart und dem Volumen der Gesellschaft, sowie nach der Höhe des Stammkapitals. Für eine vereinfachte Gründung kann man mit etwa € 500,- bis € 600,- rechnen.

Darin enthalten ist die Firmenbucheintragung, welche etwa € 400,- kostet. Wenn eine reguläre Gründung von einem Gesellschafter bevorzugt wird, kommen weitere Ausgaben für Notariatsgebühren in Höhe von ca. € 500,- hinzu. Sollte für die Gesellschaft ein Gesellschaftervertrag bei mehreren Gesellschaftern aufgesetzt werden müssen, steigen die Kosten für die Notargebühren schnell auf über € 2000,-.

Geschäftsfähigkeit der GmbH

Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist erst nach erfolgter Firmenbucheintragung unter entsprechender Anwendung aller Haftungsrichtlinien und Gesetze für eine GmbH handlungsfähig. Doch meistens fängt der Geschäftsbetrieb bereits vor der tatsächlichen Gründung an.

GmbH in Gründung

In der Phase zwischen der Beglaubigung der Einrichtungserklärung, bzw. des Gesellschaftervertrags und des Erhalts des Firmenbucheintrags spricht man von einer „GmbH in Gründung“. Diese muss sich beim Schriftverkehr auch als solche betiteln.

Bereits in dieser Phase können von den Gesellschaftern Geschäfte begonnen werden, da die zu gründende Firma bereits einen Geschäftsführer und ein Stammkapital vorweisen kann. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die beschränkte Haftung der Gesellschaft erst durch die Firmenbucheintragung in Kraft tritt. Somit gelten davor abgeschlossene Geschäfte als riskant, da die Haftung bei eventuellen Schwierigkeiten unter Anwendung der Regelungen für GbR, OHG oder Einzelunternehmer erfolgt und man haftet mit dem Gesamtvolumen seines privaten Vermögens.

Trotz den einigen Nachteilen, die die Gründung einer Kapitalgesellschaft wie eine GmbH mit sich zieht, bleibt diese Geschäftsform eine der beliebtesten und sichersten in Österreich.

Sie wird öfters auch als eine zweite Stufe der Selbstständigkeit benutzt, nachdem ein Einzelunternehmen ein bestimmtes Firmenvolumen erreicht, welches ein höheres Risiko mit sich zieht. Auch wenn mittlerweile die vereinfachte Gründung den Gesamtprozess beschleunigt, empfiehlt es sich, sich mithilfe eines Anwalts oder Notars nach allen steuerrechtlichen Auflagen und Sozialversicherungskosten zu erkundigen.

Quellen und weitere Informationen

 

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.