Corona Arbeitsstiftung in Österreich – Was ist eine Arbeitssstiftung? – Vorteile & Nachteile

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Österreichische Bundesregierung hat eine Arbeitsstiftung ins Leben gerufen

Die Corona-Pandemie hat auch Österreich schwer getroffen. Wie in Deutschland mussten auch hier Unternehmen schließen und das ganze Land wurde im März 2020 in einen Lockdown geschickt. Um Arbeitsplätze zu schützen, sprich eine hohe Arbeitslosigkeit in Österreich zu verhindern, hat die österreichische Bundesregierung eine Arbeitsstiftung ins Leben gerufen.

Was ist eine Arbeitsstiftung?

Eine Arbeitsstiftung ist ein in Österreich bewährtes arbeitsmarktpolitisches Instrument. Ein solches Konzept wird regelmäßig im Zusammenhang mit Sozialplänen beschlossen. Und zwar dann, wenn ein Unternehmen einen großen Personalabbau plant.

Die Arbeitsstiftung greift aber nur dann, wenn die Weiterbeschäftigung der MitarbeiterInnen nicht mehr möglich ist.

Die Arbeitsstiftung finanziert dann für diese Menschen Maßnahmen wie

  • Weiterqualifizierung
  • Umschulung
  • Berufliche Neuorientierung

Allerdings kommen in Österreich Arbeitsstiftungen auch dann zum Einsatz, wenn Unternehmen einen Mangel an Arbeitskräften haben. In diesem Fall werden unter der Einbindung vom nach Personal suchenden Unternehmens Arbeitslose für die offenbar schwer zu besetzenden, offenen Stellen vorqualifiziert.

Die wesentlichen Ziele von Arbeitsstiftungen ist allgemein gesehen einen Beitrag zu leisten für die berufliche Neuorientierung und für eine mögliche Höherqualifizierung von arbeitslosen Menschen. Ziel ist es, dass eine Reintegration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt erfolgt.

Die Arbeitsstiftung kann statt auf ein einzelnes Unternehmen auch auf eine Region bezogen sein. In diesem Fall gilt es nämlich auf einen Strukturwandel in einer Region zu reagieren. In diesem Fall fällt die Arbeit, die auf eine Arbeitsstiftung zukommt, etwas größer aus.

Die Arbeitsstiftungen sind in Österreich ein schon seit Jahrzehnten bewährtes sozialpartnerschaftliches Modell, damit Menschen vor Arbeitslosigkeit geschützt werden.

Die nun von der Bundesregierung Österreichs angekündigte Corona-Arbeitsstiftung ist auf die gesamte Republik Österreich ausgelegt. Denn im Zuge der Corona-Pandemie wurden viele Unternehmen in Österreich in Mitleidenschaft gezogen. Es drohen in nahezu allen Branchen Entlassungen. Sehr stark betroffen ist der Tourismus. Dabei handelt es sich bei dieser Arbeitsstiftung um keine klassische Arbeitsstiftung. Es handelt sich vielmehr um eine Aufstockung bereits bestehender und schon in die Wege geleiteter Maßnahmen.

Geschichte

  • Eine der ersten Arbeitsstiftungen war die voestalpine-Stahlstiftung. Gegründet wurde diese im Jahr 1987. 1995 wurde nach dem Beitritt von Österreich zur EU die „AUFLEB“ gegründet.
  • Es war eine Arbeitsstiftung für die gesamte Lebensmittelbranche.
  • In den letzten Jahren lag dieser Arbeitsstiftung bei der Abwicklung von Jugendstiftungen für junge Arbeitslose, welche nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Mit der Hilfe dieser Arbeitsstiftung sollte diesen jungen Menschen ein Lehrabschluss ermöglicht werden.

Neben dem Sozialplan, den ein Unternehmen bei Personalabbau erstellen musss, ist die Arbeitsstiftung in Österreich heute ein sehr viel genutztes gewerkschaftliches Modell. Die Arbeitsstiftung hilft im Krisenfall, damit arbeitslose Menschen in Österreich wieder zu einem Job kommen.

Wie gründet man eine Arbeitsstiftung?

Eine Arbeitsstiftung kann von einem oder auch von mehreren Unternehmen gegründet werden. Voraussetzung dafür ist, dass ein größerer Personalabbau geplant ist. Die Arbeitsstiftung beruht dabei auf der Zusammenarbeit der Geschäftsführung, dem Betriebsrat, der Belegschaft, der Regierung und des Arbeitsmarkservices.

Finanziert wird eine Arbeitsstiftung durch Mittel, die die Arbeitgeber und das AMS zur Verfügung stellen. Zusammenschließen können sich auch mehrere Unternehmen aus einer Region oder aus einer Branche, wenn sich die Region bzw. eine Branche gerade im Umbruch befindet.

In Österreich gibt es in inzwischen eine Reihe von dauerhaft eingerichteten Stiftungen, wie die Stahlstiftung. Diese bietet wegen struktureller Veränderungen in der Branche den in dieser Branche beschäftigten Menschen ein Auffangnetz.

So funktioniert die Arbeitsstiftung

  • Um eine Arbeitsstiftung zu gründen, bedarf es zunächst einer Orientierungsphase. Diese dauert üblicherweise maximal sechs Wochen. Danach können im Rahmen der Arbeitsstiftung bis zu drei Jahre lang Ausbildungen und Weiterbildungen absolviert werden.
  • Hierzu gehören auch Lehre und Studium. Auf diese Weise haben auch in einem Bereich hochqualifizierte SpezialistInnen die Möglichkeit sich in einer anderen Branche am Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz zu sichern für die Zukunft.
  • Ziel ist es dabei, dass der bisherige Lebensstandard erhalten bleibt für die Dauer der Phase der Lehre oder des Studiums.

Eine gute Arbeitsstiftung funktioniert dann auch gut, wenn ein Arbeitgeber auch viel investiert. Umso mehr Leistungen können den betroffenen Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden. Die Betroffenen werden natürlich nicht gezwungen an einer Arbeitsstiftung teilzunehmen. Sie können sich auch privat einen neuen Job suchen oder sich privat weiterbilden. Das heißt, die Teilnahme an einer Arbeitsstiftung ist für die Beschäftigten völlig freiwillig.

Die Arbeitsstiftung versteht ihr Handeln als ein Angebot an die aus einem Unternehmen ausgeschiedenen ArbeitnehmerInnen, welche einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Der Anspruch auf Arbeitslosengeld verlängert sich auf maximal drei – eventuell sogar vier – Jahre, wenn das Angebot von einer Arbeitsstiftung in Anspruch genommen wird. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Arbeitsstiftung von der zuständigen Landesgeschäftsstelle des AMS durch einen Bescheid anerkannt wurde.

Das leistet die Arbeitsstiftung

Für die Teilnahme an den angebotenen Maßnahmen der Arbeitsstiftung erhalten die Teilnehmer Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe, und zwar in der Höhe ihrer bisherigen Leistung. Ist das Arbeitslosengeld bzw. die Notstandshilfe sehr niedrig, kann es sein, dass auch eine sogenannte „Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts” (DLU) gewährt wird.

2020 betragen die Leistungen der DLU:

  • 11,42 Euro für Jugendliche vor Vollendung des 18. Lebensjahres
    Das sind für 30 Tage pro Monat 342,60 Euro
  • 18,55 Euro für Erwachsene, welche mindestens 16, jedoch weniger als 25 Maßnahmenstunden pro Woche annehmen als Leistung
    Das sind für 30 Tage pro Monat 556,50 Euro
  • 26,39 Euro für Erwachsene, welche mindestens 25 Maßnahmenstunden pro Woche annehmen als Leistung
    Das sind für 30 Tage pro Monat 791,70 Euro

Die TeilnehmerInnen an der Arbeitsstiftung erhalten zudem eine monatliche Zuschussleistung von 60 Euro, welche vom Unternehmen finanziert werden.
Die Stiftungsordnung kann auch eine höhere Zuschussleistung enthalten.

Teilnehmen kann jeder entlassene Beschäftigte seit dem 1. Januar 2012, der mindestens sechs Monate in einem Unternehmen tätig war. Die Teilnahme ist begrenzt auf eine Dauer von zwei Monaten bis zu einem Jahr.

Vorteile

Arbeitsstiftungen haben für die TeilnehmerInnen eine Reihe von Vorteilen. Hierzu gehören:

  • Längerer Arbeitslosengeldbezug
  • Unterstützung bei der Arbeitssuche
  • Berufsorientierungsphase
  • Weiterqualifizierung
  • Hohe Vermittlungsquote
  • Umorientierung und beruflicher Neubeginn

Nachteile

Als Nachteile können indes aufgeführt werden:

  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Teilnahmezeit ist begrenzt

Wie kann man teilnehmen?

Werden MitarbeiterInnen entlassen, erfahren sie in der Regel frühzeitig von ihrer Kündigung. Gleich nach deren Bekanntwerden können MitarbeiterInnen ihr Interesse an einer Teilnahme bei einer Arbeitsstiftung bekannt geben.

Es reicht hierfür das Ausfüllen des Formulars „Antrag auf Aufnahme in die Unternehmensstiftung …“. Der Eintritt in die Arbeitsstiftung besteht auch noch einige Zeit nach dem Inkrafttreten der Kündigung bzw. dem letzten Arbeitstag.

Mehrere Module

Eine Arbeitsstiftung ist aus mehreren Modulen aufgebaut. Die Module dauern einige Wochen. Eingeschlossen ist auch ein Praktikum. Es geht hierbei darum, dass den TeilnehmerInnen ein tiefer Einblick in den Beruf vermittelt wird, den sie künftig ausüben sollen.

In den weiteren Schritten erfolgt dann die gezielte Aus- und Weiterbildung in Theorie und Praxis. Das Ganze dauert bis zu einem Jahr. Eingeschlossen wird hierbei auch die aktive Arbeitssuche. Das heißt, durchgeführt wird auch ein aktives Bewerbungstraining. Die TeilnehmerInnen können zudem eine Beratung und Betreuung erhalten.

Corona-Arbeitsstiftung in Österreich

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzuwenden, nutzt man in Österreich zurzeit einerseits die Kurzarbeit sowie die Arbeitsstiftung. Aktuell sieht die Situation in Österreich so aus, dass es inzwischen 432.000 Arbeitslose gibt und 476.000 Menschen, die sich in Kurzarbeit befinden.

Ausgehandelt wurde dabei erst vor kurzem, dass die Kurzarbeit über den Oktober 2020 hinaus in dem Maß aufrechterhalten bleiben soll. Vorerst dauert die Verlängerung für die nächsten sechs Monate.

Mit dieser Maßnahme stemmen sich die Sozialpartner von der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite und die österreichische Regierung gegen eine verherrenden Folgen der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Befürchtet wird dennoch nach wie vor eine Rekordarbeitslosigkeit in den kommenden Monaten.

  • Neben der Verlängerung der Kurzarbeit ab Oktober um weitere sechs Monate gibt es von der Regierung in Wien auch 700 Millionen Euro für Corona-Arbeitsstiftung.
  • Diese zweite Säule wird aber Herbst 2020 ebenfalls eingerichtet. Aufgefangen werden sollen dadurch zum Beispiel arbeitslose MitarbeiterInnen im Städtetourismus.
  • Man rechnete damit seitens der Regierung, dass in die Corona-Arbeitsstiftung wohl 100.000 Menschen aufgenommen werden müssen. Sie alle haben in der Folge der Corona-Krise bereits ihren Job verloren.
  • Im Mittelpunkt der Corona-Arbeitsstiftung stehen Umschulungen für Arbeitslose, die keine Chance auf Rückkehr in ihren früheren Job haben. Dies betrifft vor allem Mitarbeiter aus dem Tourismusbereich, da deren ehemaliger Arbeitgeber die Gaststätte oder das Hotel wohl nicht so schnell – wenn überhaupt wieder – aufsperren wird.

Die Regierung in Wien plant vor allem über die Corona-Arbeitsstiftung aus diesen Arbeitslosen Beschäftigte für den Pflegebereich gewinnen. In diesem Bereich herrscht in Österreich schon seit längerer Zeit ein Mangel – und das ausgerechnet in der aktuellen Gesundheitskrise.

Für den Pflegebereich wurde seitens der Regierung schließlich schon seit einiger Zeit – noch vor der Corona-Krise – eine Personaloffensive angekündigt. Im Blick hat die Regierung in Wien zudem ehemalige Fachkräfte aus der Metallindustrie.

Diese sollen durch gezielte Weiterbildungen im Bereich der Digitalisierung neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Einer Rekordarbeitslosigkeit, die aus der Corona-Krise resultiert, möchte man in Österreich unbedingt durch die Corona-Arbeitsstiftung vermeiden.

Die Corona-Arbeitsstiftung hilft auch den Betrieben, die beim Wiederhochfahren der Wirtschaft nach dem Lockdown ab März 2020 auf zusätzliche qualifizierte Arbeitsuchende zurückgreifen können. Dank der Corona-Arbeitsstiftung ist es vielleicht bald möglich, dass ein ehemaliger Restaurantmitarbeiter, der keinen Facharbeiterabschluss und seinen Job durch die Corona-Krise verloren hat, als Facharbeiter in einem Unternehmen arbeitet, das trotz der Krise weiter investiert und auch händeringend nach Facharbeitern sucht.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.