Brexit: Online-Bank N26 verlässt britischen Markt

Banking mit N26

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Das jahrelange Hickhack hat nun doch ein Ende gefunden. Nach zahlreichen Anläufen ist Großbritannien zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten. Schon im Vorfeld hatten Fachleute immer wieder davor gewarnt, dass Unternehmen im Zuge des Brexit die Insel verlassen könnten.

  • Offenbar war diese Sorge nicht unbegründet. So hat der aufstrebende Berliner Finanzdienstleister N26 nun den Rückzug vom britischen Markt angekündigt.
  • Das kam etwas überraschend. Denn noch im Oktober 2018 hatte Unternehmensgründer Valentin Stalf betont, dass die Expansion in Großbritannien unabhängig von einem Brexit stattfinde. Nach dem langen Hin und Her um den EU-Austritt hat N26 nun aber doch die Reißleine gezogen.

Das größte Problem: N26 besitzt eine europäische Vollbanklizenz. Die gilt nach dem Brexit in Großbritannien allerdings nicht mehr.

Eine neue Genehmigung wollte N26 nicht beantragen. Der Dienstleister begründete dies mit der regulatorischen Komplexität sowie einen erheblichen betrieblichen Aufwand. Stattdessen verspricht sich das Unternehmen weiteres Wachstum vor allem in den verbliebenen EU-Ländern sowie in den USA.

  • Dort hat die deutsche Smartphone-Bank bereits einen erfolgreichen Start hingelegt. Fünf Monate nach Markteintritt zählt das Unternehmen, das vor Ort mit der kalifornischen Direktbank Axos zusammenarbeitet, in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 250.000 Kunden.
  • Vorstellbar ist auch der Eintritt in neue Märkte. Noch in diesem Jahr will N26 beispielsweise in Brasilien an den Start gehen..

Das Berliner Unternehmen hat sich auf die Kontoführung per Smartphone spezialisiert und zählt zu den Vorreitern der aufstrebenden Fintech-Branche. 2013 gegründet, wächst N26 stetig. Nach eigenen Angaben zählt die App-Bank weltweit mehr als fünf Millionen Kunden.

  • Sie gilt mit einem geschätzten Wert von 3,5 Milliarden Dollar als wertvollstes deutsches Startup. Zu den Investoren zählen unter anderem der Singapurer Staatsfonds, der chinesische Internetkonzern Tencent sowie der deutsche Versicherer Allianz.
  • An fünf Standorten weltweit beschäftigt das Unternehmen inzwischen 1.500 Mitarbeiter aus 80 Nationen. Vermeintliche Defizite beim Kundendienst brachten N26 aber auch wiederholt Negativ-Schlagzeilen ein.

In Großbritannien zählt N26 nach eigenen Angaben mehrere hunderttausend Kunden. Die Konten dieser Nutzer laufen nach dem Brexit-Exit des Fintech zum 15. April aus, kündigte das Unternehmen an. N26 will die Kunden auf der Insel in den kommenden Wochen anschreiben und auffordern, ihre Guthaben auf andere Konten zu überweisen.

Das Gros der britischen Mitarbeiter soll in andere Unternehmensbereiche wechseln können. Der Rückzug vom britischen Markt, so beteuert die N26-Führung, soll keinen Einfluss auf den globalen Wachstumskurs haben.