Aktiendepot übertragen – was ist dabei zu beachten?

Geldanlage in Krypto - Chancen nutzen und Risiken beachten!

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So lässt sich ein Aktiendepot richtig übertragen

Aktien werden als Geldanlage immer interessanter und sind für viele Anleger heute nahezu unumgänglich. Dies liegt unter anderem an der Tatsache, dass andere Anlageoptionen wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbücher so gut wie keine Rendite mehr erwirtschaften.

Wer sich also für ein Aktiendepot entscheidet und versucht, mit Aktien Gewinne zu erzielen, baut auf ein großes Potenzial. Was aber, wenn der Anleger sein Aktiendepot wechseln möchte, um günstigere Handelskonditionen zu erhalten? In diesem Fall ist ein Depotübertrag erforderlich. Doch wie funktioniert dieser und was ist dabei zu beachten?

Abbildung 1: Aktien sind aktuell eine der besten Anlageoptionen auf dem Markt, da Zinseinlagen nur unattraktive Rendite einbringen. Wer sein Depot wechseln möchte, sollte beim Depotübertrag die möglichen Stolpersteine umgehen. Bildquelle: @ PIX1861 / Pixabay.com

Depot übertragen: heute einfacher denn je

Da Depotkonten heute im Normalfall online eröffnet und geführt werden, ist eine Depotübertragung nicht mehr sonderlich schwierig. In den meisten Fällen müssen Anleger beim neuen Depotanbieter nur anzeigen, dass sie einen Depotwechsel vornehmen wollen.

Alle weiteren Formalitäten erledigt der neue Broker. In Deutschland müssen Anleger zudem die Übertragung der Verlusttöpfe beantragen, wenn sie eine weitere Verrechnung für das laufende Kalenderjahr beim neuen Broker wünschen.

Was passiert bei einem Depotwechsel?

Wer einfach ein neues Depot eröffnet und dann quasi sein altes Depot auflöst, würde in der Praxis die Wertpapiere im alten Wertpapierdepot verkaufen und dann im neuen Depot wieder kaufen. Da es hierbei jedoch zu Reibungsverlusten durch zwischenzeitliche Kursschwankungen kommen könnte und zudem erneut Ordergebühren anfallen, lässt sich dieses Problem durch einen Depotübertrag vermeiden.

Hierbei werden die Wertpapiere vom alten Depot in das neue Depot übertragen. Zusätzlich erfolgt auch eine Übertragung des Saldos vom Verlust-Verrechnungskonto. In Deutschland existieren dafür Verlusttöpfe (ein allgemeiner und einer speziell für Einzelaktien), die auf speziellen Antrag vom Depotinhaber ebenfalls übertragen werden können.

Broker machen Kunden Depotwechsel schmackhaft

Broker sind im Normalfall auf der Suche nach Neukunden und versuchen demnach, potenziellen Wechselkandidaten den Wechsel möglichst schmackhaft zu machen. Nicht selten erhalten Neukunden deshalb Sonderkonditionen. Diese können folgendermaßen aussehen:

  • Barprämien bei einem Depotübertragung ab einem bestimmten Depotwert
  • Freetrades für das nächste Jahr
  • Geringere Ordergebühren für einen begrenzten Zeitraum (6-12 Monate)

Wichtig: Zwar sind Sonderkonditionen bei einem Depotwechsel durchaus interessant. Da diese jedoch nur zeitlich begrenzt gewährt werden, sollten Anleger den Depotwechsel nicht an diese Vergünstigungen koppeln. Viel wichtiger sind Kriterien wie die generellen Ordergebühren, der Service und die Handelsplattform.

Was kostet ein Depotübertrag?

Während ein Depotübertrag in Deutschland normalerweise kostenfrei ist, verlangen die übertragenden Broker in Österreich durchaus Gebühren. Je nach Broker werden Übertragungsspesen in Höhe von 10-36 Euro pro Position fällig.

Darüber hinaus können auch noch Gebühren für Veränderung der Lagerstelle anfallen, die je nach Ort und Broker ebenfalls im mittleren zweistelligen Bereich pro Position liegen kann. Gerade bei größeren Depots mit vielen Positionen kann ein Depotübertrag also durchaus eine kostspielige Angelegenheit werden.

Tipp: Einige Broker übernehmen einen Teil der Übertragungsspesen, wenn ein Neukunde sein Depot dorthin übertragen möchte, Es lohnt sich also, einen Blick auf die Konditionen der einzelnen

Anbieter zu werfen, um am Ende die Kosten eventuell geringer halten zu können.

Wie lange dauert eine Depotübertragung?

Eine Depotübertragung ist sowohl in Österreich als auch in Deutschland kein sonderlich schneller Prozess. Im Regelfall müssen Anleger für die Übertragung herkömmlicher Wertpapiere mit einer Frist zwischen 2 und 4 Wochen rechnen. Bei ausländischen Wertpapieren kann der Vorgang jedoch auch durchaus bis zu 8 Wochen dauern. Dies gilt ebenso für Aktienfonds, deren Übertragung nicht ganz unkompliziert ausfällt.

Hierbei sollten Depotinhaber beachten, dass sie die Wertpapiere in der Übertragungsphase nicht verkaufen können. Wer also eher auf kurz- und mittelfristige Trades setzt, könnte so durchaus in Probleme geraten. Aber auch Investoren mit einem sehr langen Anlagehorizont sind natürlich eingeschränkt und können auf aktuelle Entwicklungen nicht wie gewohnt reagieren. Der Kauf neuer Aktien ist hingegen bereits kurz nach der Depoteröffnung möglich.

Was ist steuerlich in Bezug auf einen Depotübertrag zu beachten?

In Österreich führt ein Depotübertrag im Normalfall dazu, dass wie bei einem Wertpapierverkauf die Pflicht zur Zahlung der Kapitalertragssteuer (KESt) in Höhe von 27,5% auf die erzielten Kursgewinne anfällt. Dies lässt sich jedoch vermeiden:

  • 1. Meldung der Anschaffungswerte
    Bei einem Depotübertrag von einem Broker zu einem anderen in Österreich ist die Meldung der Anschaffungswerte wichtig. So kann der neue Broker die Wertentwicklung genau fortschreiben und eine spätere steuerliche Behandlung ist möglich. Hier sollten Anleger genau hinschauen und den alten Broker dazu anhalten, die Anschaffungswerte mit zu übertragen.
  • 2. Meldung ans Finanzamt
    Erfolgt die Depotübertragung zu einem Broker ins Ausland, ist eine Meldung ans Finanzamt erforderlich.
    In Deutschland stellt die beste Lösung normalerweise eine Übertragung der Verlusttöpfe dar, damit die bisherigen Verluste auch beim neuen Broker bis zum Ende des Kalenderjahres weiter verrechnet werden können.

Wer es versäumt, einen Antrag auf die Übertragung der Verlusttöpfe zu stellen, erhält eine Verlustbescheinigung vom bisherigen Broker und kann diese dann über die Steuererklärung einreichen. Eine Übertragung der Verlusttöpfe ist im Übrigen nicht möglich, wenn nur einzelnen Wertpapiere übertragen werden oder das Depot an eine andere Person übertragen wird.

Depotübertrag: Heute einfacher als gedacht

Unter dem Strich ist ein Depotübertrag heute deutlich einfacher möglich als viele Anleger denken. Schließlich muss der Depotinhaber lediglich den Auftrag erteilen und die Formalitäten erledigen die beiden Broker unter sich. In steuerlicher Hinsicht sollten Anleger jedoch dafür sorgen, dass entweder die Anschaffungswerte an den neuen Broker mitübertragen werden (Österreich) oder ein Übertrag der Verlusttöpfe erfolgt (Deutschland).

In Österreich lässt sich so vermeiden, dass durch den Depotübertragung die Kapitalertragsteuer ausgelöst wird und es zu einem Mittelabfluss kommt. In Deutschland ist das Ganze weniger dramatisch, weil Anleger eine Verlustbescheinigung erhalten und die Verluste somit wahlweise auch erst bei Abgabe der Steuererklärung verrechnen können.

Wer alle wichtigen Punkte beachtet und zudem auch bei der Wahl des neuen Brokers ein gutes Händchen beweist, kann einen Depotübertrag schnell und unkompliziert über die Bühne bringen.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.