Dienstzeugnis schreiben in Österreich – Formulierungen & Beispiel Arbeitszeugnis

Ein Dienstzeugnis wird dann für einen Arbeitnehmer notwendig, möchte dieser sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.

Dienstzeugnisse werden den Bewerbungsunterlagen beigelegt und geben dem neuen, potentiellen Arbeitgeber einen Eindruck über die Qualitäten, Fähigkeiten und Eigenschaften des neuen, potentiellen Arbeitnehmers. Doch welche Angaben genau sollten in einem Dienstzeugnis zu finden sein?

Angaben im Dienstzeugnis. Was darf rein? Was muss nicht sein?

Was im Dienstzeugnis an Informationen erhalten sein dürfen und welche nicht, wird in Österreich gesetzlich geregelt. Allen voran sind allgemeine Angaben der Person, für die das Dienstzeugnis ausgestellt wird, zu nennen. Es folgt die explizite Nennung des Arbeitgebers.

Ebenso muss die Dauer des Arbeitsverhältnisses wie auch die vom Arbeitnehmer durchgeführten Tätigkeits- und Aufgabenfelder aufgeführt werden.

Hier muss für einen neuen Arbeitgeber klar erkenntlich werden, mit welchen Tätigkeiten und Aufgaben sich der Arbeitssuchende während seiner Beschäftigung auseinandergesetzt hat. Alle Tätigkeiten, die während des Dienstverhältnisses durchgeführt wurden, sind aufzulisten.

  • Genauere Informationen hierzu sind im Angestelltengesetzbuch $ 39 Abs. 1 nachzulesen. Hier wird ausführlich definiert, welche Angaben ein ‚einfaches‘ Arbeitszeugnis zu führen hat.

Als ‚Verbot nachteiliger Formulierungen‚ regelt das Angestelltengesetzbuch ebenfalls, dass nicht erwähnt werden darf, in welcher Form und Qualität der Arbeitnehmer seine Leistungen erbracht hat. Werden diese Angaben vom Arbeitnehmer erbeten, so spricht man in der Regel von der Ausstellung eines qualifizierten Dienstzeugnisses.

Formulierungen im Dienstzeugnis

Was wiederum gesetzlich festgeschrieben ist, ist, dass in einem Dienstzeugnis keinerlei Formulierungen und Hinweise enthalten sein dürfen, die dem Arbeitnehmer seine Suche nach einer neuen Beschäftigung erschweren. Hier befindet man sich jedoch in einem Graubereich.

Denn die Formulierungen liegen in den Händen des Arbeitgebers. Anzumerken sei an dieser Stelle jedoch, dass in der Praxis generelle Formulierungen bekannt sind, die als Zusatzinformationen zwischen den Zeilen zu lesen sind. Man spricht hier gerne von ‚Geheimcodes im Dienstzeugnis‚.

Spricht der Arbeitgeber darüber, dass sich sein ehemaliger Arbeitnehmer ‚bemüht‘ habe, so bedeutet es auch gleichzeitig, dass dieser eben nicht die geforderte Leistung erbracht hat. Doch dem Arbeitnehmer sind nicht ganz die Hände gebunden. Denn nur mit seiner Unterschrift wird das Dienstzeugnis rechtskräftig und anerkanntes Dokument. Es folgt weiter Unten eine Auflistung der ’10 typischen Geheimcodes und ihre eigentliche Bedeutung.‘

Übrigens wird auch gesetzlich fest gelegt, dass vom Arbeitnehmer ausgeübte Tätigkeiten und Funktionen in Interessenverbänden, unabhängig ob über- oder innerbetrieblich, nicht Eingang in das Dienstzeugnis finden dürfen.

10 typischen Geheimcodes und ihre eigentliche Bedeutung

  • (1) Superlative sind ausschlaggebend: Ist ein Arbeitszeugnis überhäuft mit Superlativen, gelten bereits die wenigen Formulierungen als ’negativ‘, die eben nicht im Superlativ geschrieben sind.
  • (2) Wer sich im Dienstzeugnis ’stets und / oder sehr bemüht‘: … der zeigt zwar Bereitschaft, aber nicht umbedingt Ergebnis.
  • (3) Im ‚Rahmen ihrer Fähigkeiten‘: … bedeutet nichts anderes, als das die Fähigkeiten des Arbeitnehmers als eingeschränkt gelten und eben nicht das zu erwartende Aufgaben- und Leistungsspektrum abdecken.
  • (4) Einsatz bei Projekt XYZ: Der war gut, aber bei anderen Projekten hat die Leistungsbereitschaft des Arbeitnehmers zu Wünschen übrig gelassen
  • (5) Fachwissen und Selbstvertrauen: Da nimmt jemand manchmal gerne den Mund zu voll
  • (6) Integrative, kommunikationsstarke Persönlichkeiten: … sind so plauderfreudig, dass sie selten zum Arbeiten kommen
  • (7) Ordnungsgemäßes Arbeiten: … schließt Eigeninitiative aus und lässt ein wenig Faulheit vermuten
  • (8): Mit Interesse und Begeisterung bei der Sache: … zeugt von Euphorie und Bereitschaft, aber nicht zwingend von guten Ergebnissen
  • (9) Mit Geselligkeit zum Betriebsklima beitragen: … ist nett gemeint, man tratscht zu viel
  • (10) Einsatz für die Belegschaft: … zeigen meistens MitarbeiterInnen, die willensstark sind und sich nicht alles gefallen lassen

Verjährung & Anspruch

Bis zu 30 Jahre hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf ein Dienstzeugnis. Wa das bedeutet? Das man bis zu 30 Jahren rückwirkend von seinen alten Arbeitgeber ein Dienstzeugnis beantragen kann. Hier ist allerdings auf bestehende Arbeits- und Kollektivverträge zu achten, denn diese sehen oft eine Verkürzung dieser gesetzlich vorgeschriebenen Zeitperiode vor.
Damit jedoch keine Unannehmlichkeiten auftreten, sollte der Anspruch auf ein Dienstzeugnis unmittelbar mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses geltend gemacht werden.

Was tun, wenn der Chef sich weigert?

Weigert sich der Chef ein Dienstzeugnis auszustellen oder Änderungen vorzunehmen, so kann der Arbeitnehmer seinen Anspruch gesetzlich einfordern. Das ist natürlich immer ärgerlich und unangenehm. Mit einem einfachen Schreiben, das eine Nachfrist enthalten sollte, kann ein Arbeitgeber auf Folgekonsequenzen bei Nichtausstellung hingewiesen werden. Der Anspruch auf ein Dienstzeugnis wird in letzter Instanz beim Sozial- und Arbeitsgericht geltend gemacht.

Was, wenn man nicht einverstanden ist, was im Dienstzeugnis geschrieben steht?

Ein Dienstzeugnis wird nur dann gültig, wenn es auch vom Arbeitnehmer akzeptiert wird. Dies macht er durch seine Unterschrift. Werden Formalitäten nicht eingehalten oder möchte ein Arbeitnehmer inhaltliche Änderungen vorgenommen sehen, so kann er das Zeugnis zurückweisen und eine Überarbeitung verlangen.

David Reisner

David Reisner

Ich bin 1987 in Graz geboren und ebenfalls in Graz wohnhaft. Seit 2003 beschäftige ich mich mit der Gestaltung von Finanz-Informationsseiten und setze mich tagtäglich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinander. Neben Fokus auf Finanzen interessieren mich auch Nachrichten aus den verschiedensten Bereichen wie Kryptowährungen und Aktienkurse sowie die Entwicklung der Wirtschaft in Österreich. Als Betreiber von finanzer.at liegt mein Fokus darauf, Informationen für LeserInnen aufzubereiten und mit aktuellen Vergleichen dabei zu helfen, die besten Produkte und Lösungen zu finden.